· 

„Maximania“ in Eckental: Marterer triumphiert in seiner Heimat

Im fränkischen Tennismekka regiert ein neuer König: Maximilian Marterer hat mit seinem Sieg beim 21. Challengerturnier in Eckental eine Welle der Euphorie ausgelöst. Trotz der immensen Erwartungshaltung seiner vielen Fans präsentierte sich der 22-Jährige aus Stein bei Nürnberg beeindruckend fokussiert und gereift.

 

Schon in der Auftaktbegegnung gegen den Franzosen Mathias Bourge hatte Marterer sein stabiles Nervenkostüm unter Beweis gestellt. Nachdem der Franke den ersten Satz denkbar knapp mit 11:13 im Tie Break verloren hatte, blieb er seinem offensiven Powerspiel von der Grundlinie treu und nahm erfolgreich Revanche für die Final-Niederlage beim Challengerturnier in Cherbourg zu Beginn des Jahres (6:7/7:6/6:3).

Eine ganz brenzlige Situation hatte Marterer in seinem Zweitrundenmatch gegen den Italiener Simone Bolelli zu überstehen, das Erinnerungen an das vergangene Jahr weckte. 2016 war der junge Deutsche zum gleichen Zeitpunkt nach hartem Kampf am späteren Sieger Steve Darcis gescheitert. Auch Geheimfavorit Bolelli schien nun den berühmten Tick abgeklärter zu sein und erspielte sich im zweiten Satz einen Matchball. Mit einem krachenden Ass verwandelte Marterer das House of Sports in einen Freudentempel, rettete sich in den Tie Break und drehte die Partie zu seinen Gunsten (6:7/7:6/6:3).

 

Nach den beiden kräftezehrenden Matches überrollte Marterer im Viertelfinale die französische Nachwuchshoffnung Corentin Moutet im Schnelldurchgang mit 6:0/6:1. Auch im Halbfinale hatte der Linkshänder beim 6:4/6:4-Erfolg über Sebastian Ofner aus Österreich weniger Probleme als erwartet und stürmte erstmals ins Finale der Internationalen Herren-Hallenmeisterschaften von Bayern.

 

Dort wartete mit Jerzy Janowicz ein ganz großes Kaliber – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der 2,03 Meter große Aufschlagriese war bereits die Nummer 14 der ATP-Weltrangliste und stand 2013 im Halbfinale von Wimbledon. Wie in der gesamten Woche zeigte Marterer gerade in den brenzligen Situationen sein bestes Tennis und diktierte vor allem die längeren Ballwechsel von der Grundlinie. Nachdem der „Local Hero“ den ersten Durchgang für sich entscheiden konnte, musste er augenscheinlich den Strapazen der Woche Tribut zollen, verlor den zweiten Satz und kassierte zu Beginn des entscheidenden dritten Durchgangs ein frühes Break. Angetrieben von einem stimmgewaltigen Fanblock schüttelte Marterer jedoch seine Müdigkeit aus den Beinen und zog das Momentum wieder auf seine Seite. Als der Deutsche seinen ersten Matchball zum 7:6/3:6/6:3-Erfolg verwandelte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Zuvor hatte sich das tschechisch-niederländische Duo Roman Jebavy/Sander Arends im Finale der Doppelkonkurrenz in souveräner Manier mit 6:4/6:2 gegen die topgesetzten Brüder Ken und Neal Skupski durchgesetzt.

 

„Es ist nicht in Worte zu fassen. Ich bin überglücklich über den Titel in meiner Heimat“, ließ Marterer seinen Gefühlen bei der Siegerehrung freien Lauf. Der Triumph war bereits der fünfte Challengertitel für den Deutschen und sicherte ihm mit Rang 90 die höchste Weltranglistenplatzierung seiner noch jungen Karriere. Damit muss sich Marterer bei den Australian Open im Januar 2018 nicht durch die harte Mühle der Qualifikation spielen, sondern darf direkt im Hauptfeld aufschlagen.

 

Seinen Dank an Turnierdirektor Marcus Slany und die weit über 200 ehrenamtlichen Helfer verband der neue König von Eckental mit der Hoffnung auf eine Fortsetzung des traditionsreichen Challengerturniers im nächsten Jahr. Nach 13 Jahren hatte die Firma Bauer Watertechnology ihren Rückzug als Titelsponsor nach dem Turnier verkündet. Doch die Anforderungen der ATP, Sicherheitsmaßnahmen und Brandschutzverordnungen nehmen immer weiter zu. „Wir wollen das Wunder von Eckental fortführen“, warb Marcus Slany um Unterstützung. Vielleicht kommt die Welle der Euphorie um „Maximania“ gerade zur rechten Zeit.

 

Bericht: Fabian Reisch

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0