Bernd Kofler Teamchef SC Uttenreuth
Bernd Kofler Teamchef SC Uttenreuth

04.07.2013

Der Adrenalinpegel steigt. In wenigen Tagen startet die 2. Tennis-Point Bundesliga. Und mittendrin ein kleiner Dorfverein aus Mittelfranken. Als großer Underdog geht Neuling SC Uttenreuth ins Rennen, der sich im letzten Jahr sensationell die Meisterschaft in der Regionalliga sicherte. Journalist Fabian Reisch sprach mit Bernd Kofler, Teammanager des Aufsteigers. Auch unsere Tennis-in-Franken-Fans kommen zu Wort. Hier geht's zum Interview.

 

 

Bernd, beim Durchklicken der Teams der 2.Tennis-Point Bundesliga fällt ein Name aus der Reihe: SC Uttenreuth. Ein kleiner Dorfverein, der mittlerweile im Geschäft der ganz Großen mitmischt. Wie ist diese Erfolgsstory zu erklären?

 

Kofler: 1988 haben wir beim SCU angefangen uns sportlicher aufzustellen. Ziel war damals der Aufstieg in die Kreisklasse 1. Die Fantasie für eine derartige Entwicklung hat damals ganz sicher gefehlt. Kamen wir in einer neuen Liga an, lief es meist so, dass im ersten Jahr der Klassenerhalt geschafft wurde, im zweiten Jahr ein sicherer Mittelfeldplatz und dann der Aufstieg. Wir sind also nicht nonstop durch die Ligen marschiert. Eine Erklärung ist sicherlich auch die Tatsache, dass die handelnden Personen im Wesentlichen noch die gleichen sind wie 1988. Kontinuität ist in der Vereinsarbeit ein wesentlicher Faktor. Siegfried Lang, Gerd Sommer, Ingo Weber und Gerd Wolter waren auch damals schon dabei. Hinzu kam noch die sehr engagierte Jugendleiterin Sabine Kunstmann. Auch im Gesamtverein wird sehr gute und kontinuierliche Arbeit geleistet. Die Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft um Karl-Heinz Seufert und Erwin Merkel ist ausgezeichnet. Beim SCU dreht sich jedoch bei weitem nicht alles um die erste Mannschaft. Uns war es immer wichtig, auch in der Breite gut aufgestellt zu sein. Neben den 4 Herren-Teams spielen auch die beiden Herren-30-Teams eine große Rolle.  Auch die beiden Damen-Mannschaften, Damen 50 und Herren 60 sind fest im Verein verankert und zeigen große Präsenz. Im Jugendbereich haben wir derzeit 85 Kinder im Trainingsbetrieb. Ende Juni haben sich nochmal 27 Kinder zu einer mehrwöchigen Schnuppertennis-Aktion angemeldet. Ich will damit sagen, dass zwar die erste Mannschaft für Aufsehen sorgt, wir aber intern alle Säulen des Vereins mit gleicher Aufmerksamkeit  bedienen – und dies trägt wieder dazu bei, dass der Verein geschlossen hinter den Leistungssportaktivitäten rund um die erste und auch zweite Mannschaft steht.

 

Kommen wir gleich zu unserer ersten Fanfrage (TV 1881 Altdorf Herren): Wie zeitaufwändig ist der Teammanagerjob beim SCU?

 

Kofler: In der heißen Phase der Saison, also zwischen Mai und August, ist es im Schnitt ca. 1 Stunde täglich. Hinzu kommen natürlich die Spieltage, an denen der komplette Tag blockiert ist.

 

Mit dem Aufstieg hatten letztes Jahr wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Was hat den Ausschlag gegeben?

 

Kofler: Wir hattenein wenig Glück, dass die SpVgg Hainsacker ohne die beiden Topspieler gegen uns antrat. Zudem konnten wir einige enge Matches für uns entscheiden. Dies hängt sicherlich auch mit der Doppelqualität unserer Spieler zusammen. Entscheidend war aber sicherlich, dass die Mehrzahl der Spieler 2012 in sehr, sehr guter Verfassung war, speziell im „Ligafinale“ gegen Dresden und im Aufstiegsspiel gegen Waldau Stuttgart.

Auch der Teamspirit war in den letzten beiden Jahren außergewöhnlich. Darauf setzen wir auch in dieser Saison wieder. Hilfreich ist hier, dass unsere beiden ausländischen Spieler während der Saison für fünf Wochen in Uttenreuth bzw. Umgebung wohnen. Dadurch sind sie unseren Mitgliedern bestens bekannt und stehen auch täglich als Trainingspartner zur Verfügung.

 

In der 2. Bundesliga hängen die Trauben natürlich noch höher. Welche personellen Veränderungen gibt es im Vergleich zur Vorsaison?

 

Kofler: Vom letztjährigen Kader ist nur Jan Satral nicht mehr von der Partie. Neu hinzu kommen Dennis Bloemke, Jean Zietsman und Till Guttenberger.

 

Ist der Klassenerhalt ein realistisches Ziel?

 

Kofler: Nicht nur wir beim SCU sehen uns als krassen Außenseiter. Entsprechend den Ranglistenpositionen wird uns nicht allzu viel zugetraut.Wenn sich das Teamähnlich präsentiert wie 2012, ist das Ziel „Klassenerhalt“ aber sicher nicht außer Reichweite.

 

Manuel Scheller (Tennisfreunde Diespeck) und Thomas Appel (FC DJK Burgoberbach) würden gerne wissen, wie hoch du den niedrigsten und höchsten Saisonetat in der 2. Bundesliga schätzen würdest? Auf wie viele Sponsoren ist der Etat des SCU verteilt?

 

Kofler:Zu Etat-Themen möchte ich nichts sagen.Wir haben einen Sponsoren-Pool mit ca. 20 Firmen und einige großzügige Gönner.

 

Gegen welche Teams rechnest du dir vielleicht eine Chance aus?

 

Kofler: Die Teams sind bis zur letzten Position stark besetzt. Diese enorme Breite in den Kadern ist eindrucksvoll. Ein Team, das personell abfällt, sehe ich nicht. Ich denke aber dennoch, dass wir in keinem Match von vornherein komplett chancenlos sind. Wir werden in jedem Spiel um unsere Chance kämpfen.

 

Wer ist dein Aufstiegsfavorit?

 

Kofler: Der sechsfache Deutsche Meister TC Amberg am Schanzl hat sich klar zum Ziel „Wiederaufstieg“ bekannt. Aus meiner Sicht sicherlich keine unrealistische Einschätzung. Natürlich wird viel davon abhängen, welches Team regelmäßig seine Topleute bringen kann. Ich traue neben Amberg mehreren Teams den Aufstieg zu.

 

Auch Michaela W. (ohne Verein) fiebert der Saison entgegen. Ihre Frage: Mit wie vielen Zuschauern rechnest du pro Spieltag und was kostet die Tageskarte für ein Heimspiel?

 

Kofler: Die Tageskarte wird 5 Euro kosten, Jugendliche haben freien Eintritt. Freitags rechnen wir mit ca. 100 Zuschauern. Die Spiele beginnen freitags um 13 Uhr, kein zuschauerfreundlicher Termin. Zu den Sonntags-Spielen in der Regionalliga

hatten wir ca. 300 Zuschauer, damit rechnen wir auch dieses Jahr. Leider findet das attraktive Derby beim FCN statt. Hier wäre der Zuschauerzuspruch sicher deutlich höher gewesen.

 

Hat das Derby beim Club am 4. August eine besondere Bedeutung für dich?

 

Kofler: Ja, auf jeden Fall. Ich war oft bei den Spielen des FCN und als Jugendlicher auch beim TC Amberg am Schanzl als Zuschauer. Jetzt mit dem SCU gegen diese Teams anzutreten hat auf jeden Fall eine besondere Bedeutung. Der Club spielt seit 27 Jahren auf Bundesliga-Ebene und Amberg war sechsmal deutscher Meister – das ist Tradition pur.

 

Der Uttenreuther Spitzenspieler Sebastián Decoud nahm im vergangenen Jahr beim Tie-Break-Turnier in Burgoberbach teil. Nicht nur Turnierdirektor Thomas Appel ist gespannt darauf, welcher Spieler aus dem Zweitligakader des SCU sich in diesem Jahr die Ehre geben wird.

 

Kofler: Hierzu kann ich leider noch nichts sagen. Ich werde den SCU-Spielern das Turnier ans Herz legen. Es ist enorm, was dort auf die Beine gestellt wird.

 

Vielen Dank Bernd Kofler für das spontane Interview. Wir werden den SC Uttenreuth nach Leibeskräften unterstützen und hoffen auf die ein oder andere Überraschung. Los geht's am 14. Juli mit dem Auswärtsspiel beim TC Amberg am Schanzl. Auf geht's SCU!


Hier gehts zur Freikartenaktion für das Heimspiel am 02.08.2013 SC Uttenreuth - TV Reutlingen.