Ein kleiner Dorfverein, mischte jahrelang im Konzert der ganz großen Tennisvereine mit. Jetzt wurde bekannt, dass die Tennisabteilung des SC Uttenreuth seine Herrenmannschaften ab 2018 aus der Regionalliga und Bayernliga zurückzieht.
Tennis in Franken führte hierzu ein Gespräch mit Teammanager Bernd Kofler. Interview am 01.12.2017.

 

Bernd, was waren die Hintergründe für den überraschenden Rückzug der Mannschaften aus den spielstärksten bayrischen Ligen in der Sommersaison 2018?

 

Bernd Kofler: Der SC Uttenreuth hat schlanke Strukturen, die Arbeit ist auf sehr wenige Schultern verteilt. Der Aufwand nahm in den letzten Jahren zu und war mit unserer Struktur nicht mehr zu stemmen.

Im Jahr 2013 feierte der SC Uttenreuth am Valznerweiher beim 1. FC Nürnberg einen überraschenden Derbysieg. Das war sicher einer der emotional schönsten Momente in deiner Karriere als Teammanager? Welche weitere Highlights der letzten Jahre sind Dir daneben noch in besonderer Erinnerung geblieben?

 

Bernd Kofler: Das Spiel beim FCN war schon sehr speziell. 800 Zuschauer, tolle Atmosphäre. Der FCN trat mit Dieter Kindlmann an 4 und Andreas Vinciguerra an 5 an, beide spielten 5 Tage später gegen den TC Amberg am Schanzl an 1 und 2. Dennis Bloemke gewann mit einhändiger Rückhand (linke Hand verletzt) in 2 Sätzen gegen Pierre-Hugues Herbert. Das Einserdoppel holten sich Sebastian Decound und Jean Zietsman mit einer grandiosen Leistung glatt gegen Herbert (damals schon auf dem Weg zu einem der weltbesten Doppelspieler) und Arnaboldi. Ganz nebenbei sicherten wir uns mit diesem 5:4-Sieg den Klassenerhalt. In der Presse wurde ich zitiert: „Mit einem Punkt bin ich heute zufrieden“. Auch das hat mich lange verfolgt.

 

Ein weiteres Highlight war die Meisterschaft in der Regionalliga 2012. In dieser Saison stand anschließend noch ein Aufstiegsspiel in die damals eingleisige zweite Bundesliga an. Die meisten Spieler waren nach dem letzten Saisonspiel im Urlaub oder auf Turnieren, nach jahrelangem Abstiegskampf in der Regionalliga hatte niemand diesen Termin auf dem Radar. Die Spieler kamen unkompliziert von überall her zurück nach Uttenreuth. Der Sieg auf unserer Anlage gegen den TC Waldau Stuttgart wurde ausgiebig gefeiert.

 

Im ersten Spiel der Saison 2014 lagen wir beim Meisterschaftsfavoriten Bruckmühl-Feldkirchen 2:4 zurück. Wir holten dann alle 3 Doppel. Dabei war hilfreich, dass Florin Mergea (damals einer der weltbesten Doppelspieler) zwischen zwei Turnieren bei uns vorbei schaute. Am gleichen Abend wurde Deutschland Fußball-Weltmeister – ein Overkill. Christopher Aumüller auf dem Rücksitz forderte bei der Rückfahrt aus Bruckmühl waghalsige Stunts am Steuer um den Anpfiff des WM-Endspiels nicht zu verpassen.

 

Für Fabi Reisch, den Capitano der zweiten Mannschaft, gibt es ein Highlight das alles überstrahlt: Sein Sieg im Doppel an der Seite von Max Marterer im Zweitligaspiel gegen den TC Großhesselohe. Großartig waren auch die diversen „Abstiegsvermeidungen“ unserer zweiten Mannschaft in der Bayernliga.

Natürlich bleibt in erster Linie die großartige Atmosphäre bei den Heimspielen in Erinnerung. Unsere enge Anlage gepaart mit den lautstarken Fans hat uns Punkte gebracht.

 

Spitzentennis in Mittelfranken ist aktuell nicht gerade auf einem Höhenflug. Mit dem 1. FC Nürnberg und dem SC Uttenreuth haben sich die erfolgreichsten Mannschaften der letzten Jahre aus dem Profisport zurückgezogen. Auch das ATP Challenger Turnier in Fürth ist Geschichte und in Eckental wird händeringend  nach einem neuen Hauptsponsor gesucht. Erleben wir momentan einfach eine schwierige Phase im Bereich Spitzentennis oder steckt hier aus deiner Sicht mehr dahinter?

 

Bernd Kofler: In Sportarten wie Fußball, Basketball, Handball und Eishockey kümmern sich in den höchsten Ligen bezahlte Kräfte um den Sportbetrieb. Im Tennis ist dies meist nicht der Fall, d.h. die diversen Tätigkeiten müssen in der rar gesäten Freizeit ausgeführt werden. Geschäftsstelle ist die Privatadresse. Das geht auf Dauer an die Substanz. TV-Gelder gibt es nicht, Zuschauereinnahmen sind kein großer Faktor. Somit fehlt der finanzielle Grundsockel der in anderen Sportarten zur Verfügung steht. Jeder Euro muss über Sponsoren und Gönner zusammen getragen werden. Diesen Sponsoren und Gönnern bin ich sehr dankbar, die meisten haben uns über zwei Jahrzehnte treu begleitet. Für das Turnier in Eckental bin ich dennoch zuversichtlich und das WTA-Turnier wird 2018 ja auch wieder beim FCN ausgetragen.

 

Bernd, das Interview wurde innerhalb von 24 Stunden über 500 mal gelesen und viele Nachfragen haben uns in den letzten Stunden erreicht. Gerne würden wir diese direkt an dich weiterleiten.

Zum einen möchten viele Leser wissen, ob du dich komplett aus dem Tennissport verabschiedest oder ob anderweitige Aufgaben für dich interessant sind?

Im März haben wir Neuwahlen. Wir diskutieren derzeit über die Neuausrichtung. Mit Swantje Amer, Lutz Amer, Ingo Weber und Gerd Wolter haben wir eine sehr gut funktionierende Abteilungsleitung die sich effizient um die wesentlichen Themen in unserem Verein kümmert. Aus jetziger Sicht würden alle weiter machen und auch Christian Tröger und Andi Bosdorff werden sich noch stärker mit einbringen. Ob ich als Abteilungsleiter weiter dabei bin ist noch nicht ganz klar, ich werde aber auf jeden Fall bei der Umstrukturierung intensiv mitwirken, das Amt spielt dabei keine Rolle. Es soll auch ohne Regionalliga und Bayernliga munter weiter gehen beim SCU. Zudem will ich wieder öfter auf dem Platz stehen. Punktspiele habe ich ewig nicht mehr bestritten, ich freu mich drauf mal wieder auf dem Platz für den SCU aktiv zu sein.

 

Außerdem haben uns mehrere Nachfragen zu der Zukunft der SCU-Spieler erreicht. Bei welchen Vereinen schlagen die Spieler zukünftig auf und gibt es noch Spieler, die einen neuen Verein suchen?

Unsere Damen-Mannschaft wechselt nahezu geschlossen zum TSV Altenfurt. Im Herrenbereich ist noch nicht viel passiert, wahrscheinlich denken einige ich mache am Ende ja doch weiter J. Ich bin mit den Spielern weiterhin in Kontakt, weiß aber nichts konkretes.

 

Bernd, wir wünschen dir alles Gute und viel Glück auf deinem weiteren Lebensweg. Vielen Dank für das Interview.