Zu großzügig im Match-Tiebreak - 2. Tennisbundesliga Damen

TC Weiß-Blau Würzburg – TC BASF Ludwigshafen 2:7

 

„Stinkhaft“, urteilte ein Fan treffend am Rande des Centercourts und meinte damit die zweite Niederlage im Match-Tiebreak eines Einzels gegen die favorisierten Ludwigshafenerinnen. Tena Lukas auf Position eins, der dieses Missgeschickt kurz zuvor passiert war, ging verbal heftiger mit sich ins Gericht. Laut schimpfend lief sie über den Platz und schickte Blicke gen Himmel als wolle sie sagen: „Warum steht mir keiner bei?“ Es war aber auch ärgerlich. Die Kroatin hatte sich im Match-Tiebreak bei 9:8 einen Matchball erkämpft, und diesen – wie in der Vorwoche Cristina Ene in ihrem Einzel – unbedrängt verballert. Lediglich die Vorzeichen hatten sich also geändert, denn diesmal verlor Ene ihren Match-Tiebreak glatt wie Lukas in der Vorwoche.

Auf jeden Fall wieder keine Einzelpunkte an den beiden Spitzenpositionen, denn sowohl Lukas als auch Enes Bilanz weist bisher nur je zwei verlorene Match-Tiebreaks auf. „Als Strafe gibt's Sondertraining“, hatte Lukas ein wenig später ihren Humor wiedergefunden. Der Liebe Gott hatte sich also auch für die zweite Partie der Frauen des TC Weiß-Blau Würzburg keine neue Choreografie ausgedacht. Auch nicht in Sachen Schiedsrichterentscheidungen, denn wie schon beim Saisonauftakt auf Platz eins sorgte er diesmal für Unruhe auf Platz drei.

 

Die Ansage von falschen Spielständen und unverständliche Entscheidungen in Sachen Ballabdrücken strapazierten die Nerven der Spielerinnen. Die von Aline Staudt in ihrem Einzel wohl über Gebühr, denn sie verlor den roten Faden. „Ich habe überhaupt nicht ins Match gefunden“, haderte sie mit sich, „aber da muss ich drüber stehen“. Viel ausgerechnet hatten sich Staudt & Co. im Vorfeld eigentlich nicht, aber nachdem sich Ludwigshafen wahrlich nicht übermächtig präsentierte, keimte Hoffnung auf einen zumindest engen Spielverlauf auf.

 

Hätte es mit einem glücklicheren Ausgang der beiden ersten Einzel auch werden können, denn Court zwei zeigte sich als Platz an der Sonne sowohl für Anne Knüttel als auch für Neuzugang Irene Burillo Escorihuela.

 

Zunächst traf Knüttel – in der Vorwoche schon siegreich – auf die amtierende rheinland-pfälzische Hallenmeisterin der Aktiven Nora Niedmers, die sie nach tollem Spiel mit 7:6, 6:3 in die Schranken wies. Dabei hatte der Tag für Knüttel alles andere als verheißungsvoll begonnen. Eine gesperrte Autobahnauffahrt, durch diese Verzögerung gefühlt nicht genug Zeit zum Warmspielen und fehlendes Training am Vortag brachten den Teenager in Wallung, was insgesamt zwölf Doppelfehler in Satz eins nach sich zog. Eigentlich keine gute Option. Aber Knüttel bemühte ihre starken Nerven, wehrte auf dem Weg in den Tiebreak zwei Satzbälle bei 4:5 ab, in selbigem einen weiteren und gewann den Durchgang. Damit bog sie auf die Siegerstraße ein und holte sich auch Satz zwei.

 

Nach diesem zweiten Sieg für die noch 15-Jährige in Deutschlands zweithöchster Spielklasse wird sie so langsam aber sicher zum Aushängeschild des Vereins, was ihr das anerkennende Lob von Vereinspräsident Michael Reizel einbrachte: „Respekt, du hälst die Fahnen für den Klub hoch.“

 

Danach hatte die Spanierin Burillo Escorihuela bei ihrem 6:4 und 6:2 keine Mühen, den zweiten Siegpunkt beizusteuern. Allerdings war die Ausgangslage nach den Einzeln bei einem 2:4-Rückstand alles andere als rosig. Drei siegreiche Doppel hätten es für den Gesamtsieg sein müssen, was in dieser Liga fast unmöglich ist. Und tatsächlich gingen die drei Doppel verloren.

 

Einzel: Lukas – Kudryavtseva 4:6, 7:5, 9:11; Ene – Mitu 6:3, 0:6, 5:10; Burilllo Escorihuela – Wachaczyk 6:4, 6:2; Knüttel – Niedmers 7:6 (5), 6:3; Uljanov – Dal 5:7, 2:6; Staudt – Siedliska 0:6, 2:6.

Doppel: Lukas/Burillo Escorihuela – Kudryavtseva/Mitu 6:7 (7) 3:6; Ene/Uljanov – Niedmers/Dal 6:7 (4), 2:6; Knüttel/Staudt – Wachaczyk/Siedliska 2:6, 4:6