Wie im Rausch zum Sieg

Isabella Pfennig (Münchner Sportclub, deutsche Rangliste 210) strahlte mit der Sonne um die Wette, hatte sie doch gerade ihren Matchball gegen die Turnierfavoritin Jil Nora Engelmann (Tennis 65 Eschborn) problemlos mit 6:4, 6:2 verwandelt. Für ihre 14 Jahre erstaunlich komplett im Tennis streute die LK-1-Spielerin immer wieder auch ein Schmankerl für die Galerie ein. Keineswegs nur im Hau-Ruck-Modus der jüngeren Generation auf dem Platz unterwegs, sondern durchaus mit Köpfchen bot sie der acht Jahr älteren Nummer 55 in Deutschland von Anfang an Paroli.

Zwar landete diese immer wieder spektakuläre Gewinnschläge mit ihrer knallharten Vorhand, die sie bevorzugt einsetzte und oft auch die Rückhand umlief, aber mit zunehmender Spieldauer flogen viele ihrer Bälle ins Aus oder ins Netz. „Konzentrier dich halt“, legte sie den Finger für alle hörbar verbal in diese Wunde, fand aber kein Rezept. Zu dominant war die aktuelle deutsche Meisterin der U 14, die in einer Woche bei den deutschen Titelkämpfen für die nächst höhere Altersklasse U 16 in Friedrichshafen antritt.

Aber jetzt stand erst einmal die Freude über den Sieg, die wichtigen Punkte für die Rangliste und das kleine Taschengeld von 250 Euro des insgesamt mit 2000 Euro Preisgeld dotierten Turniers im Vordergrund. „Dafür werde ich mir etwas gönnen“, erklärte sie ganz nach dem Motto „Belohnung muss sein“.

 

Mit knallharten Grundschlägen

 

Eine Belohnung in Form von 600 Euro Preisgeld erarbeitete sich auch der an zwei gesetzte Stanislav Korshunov (Dortmunder TK RW 98, DR 172). Im Viertelfinale wäre für ihn beinahe schon Schluss gewesen, denn er lag bereits 2:6, 1:3 gegen den an fünf gesetzten Markus Wunder (TC Oberstenfeld) zurück, als dieser umknickte und fast nicht mehr laufen konnte, aber trotzdem die Partie zu Ende spielte – letztlich im Match-Tie-Break mit 6:10 verlor.

Offensichtlich brauchte der gebürtige Moskauer den Rückstand in den ersten Sätzen, denn auch im Finale lag er gegen den Topgesetzten Christian Braus (TC Blau-Weiß Weiher, DR 166) mit 2:5 zurück. Der hatte allerdings auch das wesentlich schwerere Vorprogramm – unter anderem im Halbfinale gegen Korshunovs Vereinskameraden Andrei Soltoianu (DR 200) mit einem knappen 7:6, 7:5-Sieg – hinter sich gebracht.

 

Und auch das Finale ließ sich zunächst gut für ihn an. Zwar war er durch die knallharten Grundschläge von Korshunov von Anfang an in die Defensive gedrängt und hatte mit der Verteidigung seines Terrains alle Hände voll zu tun, aber flink auf den Füßen kamen ihm die vielen unnötigen Fehler des Russen im ersten Durchgang sehr zu Pass. Allerdings besann sich dieser im zweiten Satz und sah ein, dass dieses beinahe schon blindwütige Draufhauen eher seltener von Erfolg gekrönt war. Was auch immer es war, ab dem 2:5 Rückstand in Satz eins fing sich der 1,98-Meter-Mann, fokussierte sich und drosch weiter auf die Filzkugel ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit dem Unterschied, dass er jetzt nahezu jeden Ball traf und Braus schier zur Verzweiflung brachte.

 

Hohe Frauenbeteiligung

 

Korshunov spielte sich im zweiten Satz schier in einen Rausch und es war klar, dass er damit auf die Siegerstraße eingebogen war. „Da kannst du nur den Kopf einziehen“, brachte es Turnierdirektor Manuel Wolf angesichts der Aufschlag-Granaten von über 200 Stundenkilometern und den nachfolgenden Einschlägen auf der Gegenseite auf den Punkt. Auf jeden Fall hatten die Zuschauer ihren Spaß. Aber den nicht nur in den Endspielen. Schon vorher sahen sie hart umkämpfte Matches sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern auf hohem Niveau.

Dass die Premiere so gut läuft, hätten wir im Vorfeld nicht erwartet“, freute sich Wolf mit seinem Team über den großen Zuspruch gleichermaßen bei Zuschauern und von spielerischer Seite her. Bei den Männern waren 29 am Start, bei den Frauen mit 26 fast genausoviele. Das stimmte besonders den Kenner der Szene, Werner Kisan, Referent für Regelkunde im Tennisbezirk, freudig. „Die Beteiligung bei den Frauen war ungewöhnlich hoch“, stellte er fest, „da gibt es in dieser Kategorie woanders oft viel kleinere Felder.“

 

Für die regionalen Spielerinnen und Spieler in der Aktivenklasse, deren Fahnen allen voran der an Position sieben gesetzte Fabian Knüttel (Weiß-Blau Würzburg, DR 362) hochhielt, war im Viertelfinale Schluss. Knüttel musste ausgerechnet gegen seinen Vereinskollegen Lukas Schneider ran, den er noch mit 6:4, 6:1 besiegte. Bei den Frauen war Anna Uljanov (WB Würzburg, DR 218) auf Position fünf gesetzt. Für sie war aber schon im Achtelfinale das Turnier beendet. „Ein Zeichen für die Qualität der beiden Felder“, merkte Wolf an. Der Regionalliga-Spieler hatte es selbst bei den Männern 30 bis ins Finale geschafft, wo er dem an vier gesetzten Christoph Birner (TC Überlingen) nach hartem Kampf im ersten Satz 5:7, 1:6 unterlag.

Wir wollen das Turnier Stück für Stück ausbauen und es fest im deutschen Turnierkalender verankern“, verriet Wolf Zukunftsträume.

 

Das Turnier in Zahlen

 

Frauen, Viertelfinale: Engelmann (Tennis 65 Eschborn) – Kirchenmayer (TVA Aschaffenburg) 6:1, 6:1; Schöttl (TC Großhesselohe) – Schmücker (Marburger TC) 6:1, 6:0; Pfennig (Münchner Sportclub) – Reinmüller (TC Göppingen) 6:1, 6:2; Ermann (1. FC Nürnberg) – Obysovska (RW Bad Königshofen) 6:0, 6:1. Halbfinale: Engelmann – Schöttl 6:3, 6:2; Pfennig – Ermann 6:1, 6:1. Finale: Pfennig –Engelmann 6:4, 6:2.

 

Männer, Viertelfinale: Braus (TC Blau-Weiß Weiher) – Knüttel (Weiß-Blau Würzburg) 6:1, 6:0; Soltoianu (Dortmunder TK RW 98) – Ferl (Mitteldeutscher Racket- und Ballsportclub) 6:2, 6:4; Geis (BW Wiesbaden) – Sauer (Schönbusch Aschaffenburg) 6:2, 6:3; Korshunov (Dortmunder TK RW 98) – Wunder (TC Oberstenfeld) 2:6, 6:3, 10:8. Halbfinale: Braus – Soltoianu 7:6, 7:5; Korshunov – Geis 7:5, 6:2. Finale: Korshunov – Braus 4:6, 6:3, 10:5.

 

Männer 30, Viertelfinale: Schmitt (TB Erlangen) – Brall (SC Eching) 7:5, 7:6; Birner (TC Überlingen) – Bender (Blau-Weiß Fürstenzell) 6:1, 6:3; Wolf (TSV Güntersleben) – Körbel (GW Fulda) 6:3, 6:4; Rupp – Spanheimer (beide TSV Güntersleben) 5:7, 6:2, 11:9. Halbfinale: Birner – Schmitt 5:0, Aufgabe; Wolf – Rupp 6:1,6:0. Finale: Birner – Wolf 7:5, 6:1.

 

Männer 40, Viertelfinale: Safenreiter (TSV Weikersheim) – Mayer (TV Zellingen) 6:0, 6:0; Fleder – Issing (beide TSV Güntersleben) 6:1, 6:1; Selsam (TC Schweinfurt) – Mehling (TSV Güntersleben) 1:6, 6:3, 10:7; Karl – Wittchen (beide TSV Güntersleben) 6:1, 6:1. Halbfinale: Safenreiter – Fleder 6:3, 7:5; Karl – Selsam 6:1, 7:5. Finale: Karl – Safenreiter 6:3, 6:2.

 

Frauen 40, Halbfinale: Schmitt (Rückersdorf) – Rupp (TC Schramberg) 6:0, 6:0; Feldsmann (TSV Güntersleben) – Lange (ETC Grün-Weiß Elsenfeld) 7:5, 6:2. Finale: Schmitt – Feldsmann 6:2,6:0.

 

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