BTV Präsident Helmut Schmidbauer im exklusiven Interview mit Tennis in Franken

Herr Schmidbauer, welche größeren Aktivitäten planen Sie als Präsident des Bayerischen Tennis-Verbandes in den fränkischen Bezirken in den nächsten 3 Jahren?

 

Helmut Schmidbauer: Wir werden vor allem den Bereich Talentförderung in Nordbayern auf neue Füße stellen und dabei bezirksübergreifende Förderstrukturen einrichten. Dazu wurden bereits erste Gespräche mit den fränkischen Bezirken und dem Bezirk Oberpfalz geführt. Auch wird es wieder Veranstaltungen aus der Reihe BTV direkt geben, wo das Präsidium des Bayerischen Tennis-Verbandes aktuelle Themen aus dem Verband vorstellt und den persönlichen Dialog mit den Vereinsvertretern sucht. Ansonsten gilt der Grundsatz, dass alle Bezirke im BTV gleich behandelt werden.

Was konnte der BTV unter Ihrer Führung innerhalb der letzten 3 Jahre für die fränkischen Bezirke erreichen?

 

Helmut Schmidbauer: Die Konzepte und Projekte, die der Bayerische Tennis-Verband entwickelt und umsetzt, sind für alle bayerischen Vereine und Bezirke gleichermaßen ausgerichtet. Das gilt beispielsweise für den Aufbau der LK-Turnierlandschaft oder für die talentinos, zwei Themen, von denen viele Vereine und Spieler auch in Nordbayern profitieren. Speziell im fränkischen Raum sind die Regionalen Vereinsberater (RVB), namentlich Helmut Brixius und Bernd Haaßengier, hervorragend etabliert und leisten sehr gute Arbeit in der Unterstützung unserer Mitgliedsvereine vor Ort.

 

Unter den Aufsteigern des Jahres im Bereich Mitgliederzuwachs befinden sich mit dem TC Noris WB Nürnberg, TG Schweinfurt, TC Weiß-Blau Würzburg und dem TV 1877 Lauf nur 4 fränkische Tennisvereine unter den Top 40 Vereinen in Bayern. Was ist die Ursache für das schlechte Abschneiden der fränkischen Tennisvereine?

 

Helmut Schmidbauer: Hier kann man kein Pauschalurteil fällen, man muss positive und negative Entwicklungen von Tennisvereinen immer individuell betrachten. Vereine in wirtschaftlich starken Regionen und in Ballungszentren haben es sicher einfacher, ihre Mitgliederzahlen zu halten oder gar auszubauen. Eines steht aber fest: Vereine, die BTV-Konzepte übernehmen, sind in der Regel auf einem guten Weg. Insofern kann ich nur empfehlen, in die Trainerausbildung zu investieren, im LK-Bereich aktiv zu sein und Turniere auszurichten oder im Jugendbereich die talentinos einzuführen.

 

Auch die Zahlen der organisierten Tennisspieler in Franken ist sehr besorgniserregend. So hat alleine der Bezirk Oberfranken in den letzten 3 Jahren 10,5% der organisierten Tennisspieler verloren. Bayernweit liegt der Schnitt in dieser Zeit nur knapp unter 3%. Wir haben keine genauen Zahlen über Mittel- und Unterfranken gefunden. Schneiden diese Bezirke auch überdurchschnittlich schlecht ab?

 

Helmut Schmidbauer: Die von Ihnen genannten Zahlen kann ich so nicht nachvollziehen. Nach den mir vorliegenden Informationen liegt der bayernweite Mitgliederrückgang in den letzten drei Jahren bei rund 4,4 %. Dabei liegen die Bezirke Mittelfranken mit 5,1 % und Oberpfalz 4,2 % nahe am bayernweiten Durchschnitt. Unterfranken mit 7,8 % Mitgliederrückgang und Oberfranken mit 8,2 % Mitgliederrückgang fallen hier deutlich ab. Insgesamt liegt Bayern im Bundesvergleich, wo ein Mitgliederrückgang von rund 5,6 % im gleichen Zeitraum zu verzeichnen ist sehr gut im Rennen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn wir nur den Vergleich zu den großen Flächenländern heranziehen.

 

Im Amateurbereich gibt es den großen Boom der LK Turniere. Diese sind für viele Spieler eine große Bereicherung und eine tolle Möglichkeit 12 Monate im Jahr Tennis zu spielen. Wie viele LK Turniere gab es in der LK Saison 2013 in Franken und wie viele Spieler haben daran teilgenommen?

 

Helmut Schmidbauer: In der Saison 2012/13, also vom 1. Oktober 2012 bis zum 30. September 2013, wurden in Oberfranken 74, in Mittelfranken 216 und in Unterfranken 196 LK-Turniere angeboten. Daran haben 12.576 Spieler teilgenommen.

 

Der BTV führt zusammen mit dem Portal mybigpoint einen 5€ Rabatt für Premiummitglieder bei LK Turnieren ab dem Jahr 2014 ein. Steigen hierdurch die Nenngelder und die normalen Spieler zahlen die Zeche für Premium Mitglieder?

 

Helmut Schmidbauer: Der BTV ist stark daran interessiert, die mybigpoint Premium-Mitgliedschaft im Sinne eines gerechten Leistungsaustausches zwischen der Verbandsstruktur als Leistungsgeber und dem Turnierspieler als direktem Leistungsnehmer zu forcieren. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen, um am Ende des Tages eine weitere Belastung der Vereinsstruktur als Gebührenzahler zu verhindern. Wir haben übrigens im Rahmen der Einführung des 5,- EUR Rabatts bereits die Turnierservicegebühr für die Turnierveranstalter von 75,- Euro auf 65.- Euro reduziert. Ob ein Turnierveranstalter vor diesem Hintergrund sein Nenngeld erhöht, liegt in seiner eigenen Verantwortung.

 

Mit den Weltranglistenturnieren in Nürnberg, Fürth, Eckental, Dittelbrunn und Aschaffenburg hat Franken eine einzigartige Turnierlandschaft in Deutschland. Einige der Turniere kämpfen aber mit gestiegenen Kosten oder sind verzweifelt auf Sponsorensuche. Wie sehen Sie die Zukunft der fränkischen Tennisturniere?

 

Helmut Schmidbauer: Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Turniere auch in den kommenden Jahren uneingeschränkt stattfinden werden. Der Bayerische Tennis-Verband unterstützt jeden Turnierveranstalter je nach wirtschaftlicher Situation mit einer beträchtlichen Summe und leistet somit einen eigenen Beitrag zum Fortbestand der in der Tat einzigartigen Turnierlandschaft in Franken.

 

Dank der Unterstützung von vielen Einzelpersonen und Tennisvereinen konnte sich Tennis in Franken innerhalb von 12 Monaten zu einer der größten regionalen Tennis-Seiten in Deutschland entwickeln. Gefällt Ihnen Tennis in Franken?

 

Helmut Schmidbauer: Ich begrüße es sehr, wenn Tennis Gesprächsthema ist, wobei ich mich natürlich vor allem über positive Beiträge freue. Wenn sich so viele Tennisfans aus Franken über die Website „Tennis in Franken“ informieren bzw. auf der Facebook-Seite austauschen, dann scheinen die Verantwortlichen vieles richtig zu machen. In „Tennis in Franken“werden auch immer wieder News aus dem BTV-Portal veröffentlicht – das zeigt, dass es keine Berührungsängste, sondern einen engen Austausch gibt. Als Vorschlag würde ich Ihnen auch noch empfehlen, das neue News-Widget von mybigpoint auf Ihrer Startseite einzubauen, dann wären die Tennisspieler noch direkter über die Vorteile einer mybigpoint Premium-Mitgliedschaft informiert.

 

Warum hält der BTV am Supertiebreak in Medenspielen fest obwohl ihn die Mehrzahl der Spieler nicht will? Marco Gärtner / TC Allersberg

 

Helmut Schmidbauer: Ob es tatsächlich eine Mehrheit für den dritten Satz gibt, wage ich zu bezweifeln. Diese Behauptung ist jedenfalls nicht durch eine mir bekannte Umfrage gestützt. Aber eines muss ich in diesem Zusammenhang deutlich sagen: Nicht der BTV hält an dem Match-Tiebreak fest, sondern die bayerischen Vereine. Sie sind es letztlich, die auf dem Verbandstag über solche Themen abstimmen – wie auf dem jüngsten Verbandstag in Fürstenfeldbruck, wo die Doppel innerhalb des Mannschaftswettspielbetriebs aufgewertet wurden.

 

Warum gibt es in Unterfranken trotz Interesse der Vereine keine offizielle Winterrunde? Ralf Grieshaber / TC Zeil

 

Helmut Schmidbauer:Winterrunden funktionieren am besten in Ballungszentren wie im Großraum Erlangen, Nürnberg, Fürth oder auch in der Region München. In ländlichen Gebieten sind Winterrunden wegen der geringen Hallendichte und der weiten Entfernungen nur mit großem Aufwand zu etablieren. Wenn das Interesse der unterfränkischen Vereine tatsächlich so groß ist, wird sich der Bezirk sicher etwas einfallen lassen. Eventuell ist eine Kooperation mit der weiter wachsenden Winterrunde in Mittelfranken möglich.

 

Wann dürfen wir Sie zum ersten mal beim Tie-Break-Turnier im mittelfränkischen Burgoberbach begrüßen? Thomas Appel / FC/DJK Burgoberbach

 

Helmut Schmidbauer:Wenn ich eine Einladung erhalte, werde ich den Termin zumindest schon einmal in meinen Kalender eintragen. Ob ich dann allerdings auch die Zeit finde, nach Burgoberbach zu fahren, kann ich nicht garantieren.

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