Favorit Becker gewinnt in Eckental

Der Bauer Watertechnology Cup geht wie im Vorjahr (Daniel Brands) an einen deutschen Spieler! Benjamin Becker kam heuer zum ersten Mal ins fränkische „Tennis-Mekka“, sah und siegte am gestrigen Nachmittag  auch bei seinem fünften Auftritt innerhalb von sechs Tagen im House of Sports. Mit dem knappen 2:6, 7:6, 6:4-Erfolg im Einzelfinale gegen Ruben Bemelmans setzte der Topgesetzte die deutsche Handschrift bei diesem 30.000 Euro ATP-Challenger fort: Seit 2000 konnten sich deutsche Asse damit schon zehnmal in die Siegerliste von Eckental eintragen.

Der Saarländer (aktuell Nr. 73 der Welt), der  2007 bis auf ATP-Position 38 geklettert war, erhielt gestern neben dem  Sieger-Scheck von 4.300 Euro auch 80 ATP-Weltranglisten-Punkte („sind wichtiger als das Geld“). Wie engagiert und professionell sich der 32-Jährige in der Eckentaler Turnierwoche präsentierte, zeigte deutlich, dass es für ihn zunächst mal nicht entscheidend ist, wer auf der anderen Seite des Netzes steht: Ob Nadel und Djokovic (wie im August) oder Kowalczyk, Arnaboldi, Beck oder Brown – um die Becker-Herausforderer von Eckental zu nennen – ist  für den gestrigen Turniersieger sicherlich nicht das Maß aller Dinge. “Das ist für mich ganz normal wenn man zwischen 50 und 100 steht, das geht die ganze Karriere schon so“, gesteht der Sieger, der bereits 2,7 Millionen mit dem Tennisschläger verdient.

 

Der belgische Davis Cup-Spieler, der vor drei Jahren im Finale gegen den Niederländer Igor Sijsling verlor, zeigte zunächst keinerlei Respekt vor dem Favoriten und nutzte die Möglichkeiten, die ihm Becker mit seinem wackeligen Aufschlag bot ("ich habe mich nicht gut gefühlt“), eiskalt aus. Nach nur 15 Minuten führte der an Nr. 7 Gesetzte im Expresstempo mit 5:1, dabei vollendete er seine Breakchancen erfolgreich und der Rest war nur noch Formsache (6:2).

 

Als Becker im oft zitierten siebten Spiel mit einem Doppelfehler seinem Gegner ein „Geschenk“ unterbreitete, glaubten viele Fans, dass  der belgische Turniersieg nur noch eine Frage der Zeit sei. Doch nun hatte der 4:3-Führende („mit Break vor“) die lähmende „Angst vorm Sieg“, Becker musste nur auf die Bemelmans-Fehler warten. Rebreak 4:4! Die gleiche Prozedur wiederholte sich kurze Zeit später, als der Außenseiter mit einer 6:5-Führung im Rücken zum Titelgewinn aufschlug. „Zu Null“ gab er jedoch sein Spiel ab. Die Partie gewann nun an Spannung und interessanteren, längeren Ballwechseln! Becker bewies dabei  mehr Geduld, wartete auf seine Chance und bekam nun mehr und mehr Oberwasser, während der Belgier wohl dem verpassten Sieg nachtrauerte.

 

Die zahlreichen „unforced errors“ sorgten für die Wende. Den Fans hat es gefallen, so wurden sie nun bestens unterhalten. Es kam wie es kommen musste:  Der Top-100-Akteur spielte seine ganze Erfahrung aus, gewann mehr an Sicherheit und schaffte das beruhigende Break zur 3:1-Führung im Finaldurchgang. Nun ließ er sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, konzentrierte sich auf seine Aufschlagsspiele (keine Breakchancen für Bemelmans) und nutzte nach 105 Minuten den ersten Matchball zum Sieg. Er ballte die Faust und ließ sich feiern. „Man muss immer an sich glauben, darf nicht aufgeben, diesmal wurde ich belohnt“, äußerte er noch auf dem Platz. Kurzum: Erfahrung siegte!

 

Rückblick Halbfinale: Nachdem sich im ersten Spiel der 25-jährige Belgier vom gleichaltrigen ungesetzten Tim Pütz hat überraschen lassen (3:6), brachte er doch die weiteren zwei Durchgänge relativ sicher nach Hause. 6:2, 6:1. Eine halbe Stunde weniger duellierten sich Benjamin Becker und Dustin Brown. Die letztlich entscheidende Phase ereignete sich im achten Spiel des zweiten Durchgangs: Der Mann mit der Rasta-Friseur besaß dreimal die Möglichkeit mit einem Break den 4:4-Ausgleich zu schaffen. Alle Chancen wurden aber von Brown etwas leichtsinnig vergeigt und Becker ließ sich nicht mehr beirren. Er zog mit 6:4, 6:4 verdientermaßen ins Endspiel ein.

 

Einzel:

Viertelfinale: Becker – Beck 4:6, 6:3, 6:3; Brown – Mertl  (Tschechien) 5:7, 6:1, 7:6 (4); Bemelmans(Belgien) – Greul 6:4, 6:1; Puetz  - Dustov (Usbekistan)  4:6, 6:3, 6:4; Halbfinale: Becker – Brown, 6:4, 6:4; Bemelmans – Puetz 3:6, 6:2, 6:1; Finale: Becker – Bemelmans  2:6, 7:6 (3), 6:4.

Doppel:

Finale: Brown/Marx – Gadomski/Kowalczyk (Polen) 7:6 (4), 6:2.

 

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von Bertram Wagner

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