Premiere macht Lust auf mehr

Premiere-Siegerin: Die Rumänin Simona Halep (links) mit Finalistin Andrea Petkovic.
Premiere-Siegerin: Die Rumänin Simona Halep (links) mit Finalistin Andrea Petkovic.

Simona Halep gewinnt den 1. NÜRNBERGER Versicherungscup gegen Andrea Petkovic. Veranstalter ziehen nach der WTA-Premiere eine äußerst positive Bilanz

 

Tennis der Spitzenklasse, zumeist herrliches Wetter und viele begeisterte Zuschauer: Die Premiere des NÜRNBERGER Versicherungscups hätte kaum besser verlaufen können und war eine echte Werbung für den Tennissport. Auch Andrea Petkovic, die nach einer tollen Woche im Finale vor 2.300 Zuschauern auf dem ausverkauften Center Court der grandios aufspielenden Rumänin Simona Halep unterlag, hatte schon kurz nach dem Matchball ihr Lachen wieder gefunden. Die äußerst gelungene Premiere des WTA-Turniers macht Lust auf mehr – mindestens zwei weitere Jahre soll das Sandplatz-Event auf der Anlage des 1. FC Nürnberg über die Bühne gehen.

„Sie hat ein fast perfektes Match gespielt“, zollte Andrea Petkovic ihrer Kontrahentin den gebührenden Respekt. „Das hätte ich auch nicht gewonnen, wenn ich 150 Prozent Leistung gebracht hätte“. Für die 25-jährige ehemalige Top-Ten-Spielerin, die nach mehreren schweren Verletzungen zurück in die Weltspitze will, aber bei den French Open in der Qualifikation scheiterte, war Nürnberg dennoch eine Bestätigung ihres Aufwärtstrends. Zuvor hatte Petkovic, die durch ihre Finalteilnahme wieder unter die Top 100 vorrückte, bereits das ITF-Turnier in Marseille gewonnen. Zudem durfte sie sich über eine Wildcard für Wimbledon freuen.

 

Durch ihre Siegesserie mit zehn Matches in zwei Wochen fehlte Andrea Petkovic im Endspiel des ersten NÜRNBERGER Versicherungscups aber auch etwas die Frische, um sich gegen die beeindruckend und nahezu fehlerlos aufspielende Rumänin Simona Halep den Turniersieg zu sichern. Die Erwartungen waren gerade wegen Petkovics überragendem 6:4, 6:3-Halbfinalerfolgs gegen die ehemalige Nummer eins der Welt, die bis dahin sehr stark agierende Jelena Jankovic aus Serbien (vor dem Turnier auf Rang 18 notiert), entsprechend groß.

 

Doch im Finale kam es bei traumhaftem Tenniswetter dann doch anders: Während Andrea Petkovic gerade im ersten Satz immer wieder unerzwungene Fehler, gerade mit der Vorhand, unterliefen, gönnte Simona Halep der Darmstädterin fast keinen schnellen Punktgewinn. Neben äußerst platzierten Offensivaktionen gelang es ihr immer wieder, auch sehr druckvolle und gut platzierte Schläge Petkovics zurückzubringen, sodass die Deutsche hohes Risiko eingehen musste. In beiden Sätzen holte sich die Rumänin frühe Breaks und gab ihre Führung mit starken Aufschlagspielen auch nicht mehr aus der Hand.

 

Nach dem 6:3-Satzgewinn war die Rumänin auch in der Folge die bessere Spielerin und brachte Petkovic, die etliche Breakchancen ungenutzt ließ, mit extremer Präzision, toller Beinarbeit und zahlreichen Gewinnschlägen an den Rand der Verzweiflung. Auch alle Unterstützung des Publikums half am Ende nichts - mit einem verdienten 6:3, 6:3-Erfolg feierte Simona Halep, als Nummer 56 der Welt in Nürnberg gestartet, ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Tour. Sie sei einfach überglücklich über ihre Leistung und ihren Erfolg, sagte die 21-Jährige im Interview mit Moderator Hans-Jürgen Pohmann.

 

Ihre Glückwünsche überbrachte bei der Siegerehrung gleich eine Reihe von Persönlichkeiten aus Tennissport, Politik und Wirtschaft. Neben Helmut Schmidbauer, dem Präsidenten des Bayerischen Tennis-Verbandes, gratulierten den Protagonistinnen auch DTB-Präsident Karl Altenburg, Turnierchefin Sandra Reichel, Nürnbergs zweiter Bürgermeister Horst Förther sowie Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der NÜRNBERGER Versicherungsgruppe als Hauptsponsor. Halep durfte sich neben der Siegertrophäe über 40.000 US-Dollar (rund 32.300 Euro) und 280 Weltranglistenpunkte freuen, Petkovic immerhin über etwa 16.000 Euro und 200 WTA-Zähler. Insgesamt wurden 235.000 US-Dollar an Prämien ausgeschüttet.

 

Pech hatten die vier deutschen Damen bei der Auslosung des 32-köpfigen Hauptfeldes (acht Spielerinnen waren in der Qualifikation ausgeschieden). Da sich Andrea Petkovic, Julia Görges, Annika Beck und Dinah Pfizenmaier allesamt in einem Viertel wiederfanden, war klar, dass nur eine von ihnen ins Halbfinale einziehen konnte. Interessant war natürlich, welche Spielerin sich in den deutschen Duellen durchsetzen würde. Während Pfizenmaier trotz guter Leistung zum Auftakt gegen die Italienerin Karin Knapp eine 6:2, 5:1-Führung nicht zum Sieg nutzen konnte, zog das übrige Trio souverän ins Achtelfinale ein.

 

Im mit Spannung erwarteten Duell zwischen den befreundeten Petkovic und Görges (Bad Oldesloe), der zu viele leichte Fehler unterliefen, setzte sich Petkovic unerwartet klar mit 6:1, 7:5 durch. Shootingstar Beck, mit 6:4, 6:2 gegen Knapp auf Erfolgskurs, brachte die Darmstädterin mit einer weiteren exzellenten Vorstellung dann an den Rand einer Niederlage und musste sich gegen Petkovic hauchdünn mit 6:4, 3:6, 5:7 geschlagen geben. Dennoch zeigte die 19-Jährige Gießenerin, deren schnelle Beine DTB-Bundestrainerin Barbara Rittner sogar an Steffi Graf erinnern, dass man von ihr noch viel hören wird, was auch für die übrigen Akteurinnen des Porsche-Talent-Teams gelten dürfte.

 

Unglücklich verlief aus deutscher Sicht auch das Finale der Doppelkonkurrenz. An der Seite ihrer Partnerin Kveta Peschke (Tschechien) lag Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) lange Zeit in Führung und zeigte gegen das rumänisch-russische Gespann Raluca Olaru und Valeria Solovyeva starke Volleys und Grundlinienschläge. Nach einem klaren 6:2 zum Auftakt und einem 6:7 im zweiten Satz ging es in den Match-Tiebreak. Hier lagen Grönefeld/Peschke bereits mit 9:6 in Front, vergaben aber alle drei Matchbälle und mussten am Ende ihren Gegnerinnen zum Turniersieg gratulieren (9:11).

 

Bereits vor den ausverkauften Finals hatten Turnierchefin Sandra Reichel und Dr. Armin Zitzmann vom Hauptsponsor, ein äußerst positives Fazit für die WTA-Premiere gezogen. Für Reichel war vor allem der hohe Zuschauerzuspruch Indiz dafür, dass die Tennisfans in Franken das WTA-Turnier schnell ins Herz geschlossen haben. Insgesamt kamen während der Turnierwoche 13.000 Besucher auf die Anlage des 1. FC Nürnberg. Dr. Zitzmann sah in der Ausrichtung des Turniers nur ein geringes Risiko, „da wir wussten, was Sandra Reichel und ihr Team bewegen können“. Er betonte, dass der NÜRNBERGER Versicherungscup, den der Vorstand der FCN-Tennisabteilung, Wolfgang Schleemilch, als „Glücksfall für die Tennis-Region“ bezeichnete, in den kommenden beiden Jahren bereits gesetzt sei.

 

Christian Treffer/ BTV

 

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